© Ekko von Schwichow

Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und Mitglied der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“

„Eine Sensation bot aus meiner Sicht die Wahlanalyse, bezogen auf die soziale Zusammensetzung der Wähler und Wählerinnen:

Denn der Sieg der Allianz „als Partei der Arbeiter“ war unerwartet, überraschend, sensationell. Mehr als jeder zweite Wähler der „Allianz“ war ein Arbeiter – aber ebenso wählte mehr als jeder zweite Arbeiter die „Allianz“. Bereits bei den ersten freien Wahlen 1990 zeigte sich also, dass der Osten anders tickt – ganz anders sogar. Zunächst aber gehörte es vielleicht zur besonderen Ironie der Geschichte, dass der „Arbeiter-und-Bauern-Staat“, die SED-Diktatur, den demokratisch legitimierten Todesstoß ausgerechnet von jenen erhielt, in deren Namen das Gesellschaftsexperiment jahrzehntelang gegen Widerstände, Widerwillen und mit vielen Opfern durchgepeitscht worden war. Die andere Seite dieser Geschichtsironie ist nicht komisch, sondern tragisch – jedenfalls millionenfach. Denn ausgerechnet jene Wählergruppe, die der CDU ganz entscheidend zu deren Wahlsiegen verhalf, war im Transformationsprozess jene soziale Gruppe, die sozial am meisten „verlor“: Denn keine Sozialgruppe, wie sich schnell zeigte, war so von Arbeitslosigkeit und „Strukturumbrüchen“ betroffen wie die Arbeiterinnen und Arbeiter.“

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk hat auch einen längeren Artikel zur Volkskammerwahl vom 18. März 1990 verfasst.

Zum Artikel