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Konrad Felber, Abgeordneter der letzten Volkskammer der DDR, Fraktion „Die Liberalen“:
Aufbruch in die Politik – 18. März 1990

„Im Herbst 1989 stellte sich auch für mich die Frage, weiter so oder Widerstand? Ich entschied mich für Demonstrationen gegen das SED-Regime und gegen den DDR-Unrechts-Staat. Ich demonstrierte aber auch für Meinungsfreiheit, für freie Wahlen, für politische Veränderungen. Ich wollte keine reformierte DDR, keine „gewendeten“ alten Eliten! Ich wollte die gleichen Freiheiten und Chancen, wie die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland! Im Frühjahr 1990 bot sich die Chance, aktiv für soziale Marktwirtschaft, für einen demokratischen Rechtsstaat und die Deutsche Einheit einzutreten. Am Wahlabend dann die Überraschung, ich hatte jetzt ein Volkskammer-Mandat! Für mich war die Friedliche Revolution im Parlament angekommen. Schnell begann die Arbeit mit einem Vollzeit-Job in Berlin. Konstituierung der Volkskammer, der Fraktionen, parlamentarische Arbeit bis in die Nacht. In nur sechs Monaten und 38 Tagungen der 10. Volkskammer-Wahlperiode haben wir faktisch Geschichte geschrieben. Rückblickend bin ich überzeugt, dass es richtig war, diesen schnellen Weg zur Deutschen Einheit zu gehen, denn die außenpolitischen Bedingungen waren nie so günstig wie im Jahr 1990! Der Weg vom Herbst ’89 hin zum Tag der Deutschen Einheit bleibt für immer der Erfolg aller Beteiligten. Zum dramatischen Verlauf der Sitzung am 28. September 1990 und deren Ende um 23.30 Uhr lohnt ein Blick in das Protokoll. Deutlich staatstragender war die letzte Tagung am 2. Oktober 1990. Als Festsitzung beschrieben, belegt das Protokoll eine hervorragende Bilanz. Für immer bleibt mir der Blick vom Reichstag gegen Mitternacht auf tausende begeisterte Menschen, die Nationalhymne und die wehenden Fahnen in meinem Gedächtnis. Danach begann die Arbeit im 11. Deutschen Bundestag – in einem Jahr in zwei deutschen Parlamenten. Einigkeit und Recht und Freiheit!“