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Prof. Dr. Peter Steinbach, Historiker und Politikwissenschaftler:
Historische Würdigung

„Die erste deutsche Revolution fand am 18. März 1848 in Berlin, die zweite am 18. März 1990 in der damaligen DDR statt – beide Tage stehen für das Recht des Volkes, seine politische Ordnung durch Wahlen selbst zu gestalten. Dass 1990 die Revolution mit dem Stimmzettel stattfand und nicht auf den Barrikaden, beweist, welches Vertrauen Wählerinnen und Wähler 150 Jahre nach der Revolution in die Demokratie setzten. Nicht vorstellbar war, dass demokratische Parteien später einmal als gestrige „Altparteien“ diffamiert werden könnten.

Beide Ereignisse stehen im Zusammenhang, denn sie machen schlagartig deutlich, was es heißt, wenn die staatliche Gewalt vom Volk ausgeht. Volkssouveränität schließt Selbstbeschränkung von Macht und Herrschaft ein: Minderheitenschutz, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit bleiben die in die Zukunft tragenden Werte und Ziele, die über den Tag hinaus in die Zukunft weisen. Der 18. März gehört so zu den wenigen glücklichen deutschen Gedenktagen. Warum? Die erste demokratische Volkskammerwahl war auch ein Bekenntnis zu Menschen- und Grundrechten. Daran ist auch nach dreißig Jahren zu erinnern. Denn ein Staat, der sich der Würde des Menschen nicht verpflichtet fühlt, galt als illegitim und wurde deshalb abgewählt. Damit waren nicht alle Probleme der Zukunft gelöst, zumindest aber eröffnete die Wahl 1990 eine so kaum jemals zuvor gegebene Chance deutscher Geschichte, mit der Einheit auch die Freiheit zu verwirklichen.“