Deutschland im Gespräch

Veranstaltungsrückblicke

22.02.2020 | Flensburg

„Ist das bei euch auch so?“ – Flensburg und Neubrandenburg im Dialog

Es gibt Unterschiede zwischen Ost und West, aber sie sind viel geringer als angenommen. Das könnte das erste Fazit nach dem Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Bürgerdialog in Flensburg sein. „Wir haben natürlich sprachliche Unterschiede, aber die sind doch eher regional. Es war richtig, die beiden deutschen Staaten zusammenzuführen. Wir sind eins geworden“, sagte Carola Lehr aus Neubrandenburg zum Thema Voneinander lernen.

Voneinander lernen war neben Anerkennung, Umgang mit Herausforderungen und Gutes Leben für alle überall eines von vier Themen zur übergeordneten Frage „Wie wollen wir miteinander leben?“ Darüber diskutierten rund 120 Bürgerinnen und Bürger aus den Partnerstädten Flensburg und Neubrandenburg.

In einer Workshop-Runde sitzen acht der Teilnehmenden zusammen und tauschen sich aus. Rechts sitzt Simone Lange, die Oberbürgermeisterin von Flensburg.
Zwei Teilnehmerinnen aus Neubrandenburg diskutieren während der Workshop-Runden miteinander.

„Das ist ein schönes Format für ein direktes Gespräch. Wir haben uns sofort in der Runde geduzt und sind in kurzer Zeit in die vielen Biografien eingetaucht“, so die Oberbürgermeisterin von Flensburg Simone Lange, die sich den Tag Zeit genommen hatte, um an allen Diskussionsrunden teilzunehmen.

Anerkennung motiviert

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen in einem Stuhlkreis mit mehreren Reihen am Veranstaltungsort. In der Mitte stehen drei Teilnehmenden mit der Moderatorin.

Anerkennung: Wenn man sie erhält, ist es schön, aber sie kann auch fehlen. „Was ich tue, kehrt auch in mein eigenes Herz zurück“, sagte eine Teilnehmerin. Die berufliche, auf Leistung basierende Anerkennung nannten die Gruppen zuerst. Auch die Anerkennung durch die Familie. Sehr wichtig fanden die Diskutanten die gesellschaftliche Anerkennung durch ein Ehrenamt, eine Vereinsarbeit oder für soziale und pflegende Berufe. „Doch wie ist es, wenn die Lebensleistung nicht anerkannt wird? Oder wie sollen wir Arbeitslosen Anerkennung entgegenbringen?“ Das waren nur zwei Fragen, die in den Gruppen intensiv diskutiert wurden.

 

Voneinander lernen

„Auf Augenhöhe zuhören und miteinander reden, für die Menschen und die Welt offen sein – so können wir voneinander lernen. Differenzieren und die Erfahrungen oder das Gesagte unseres Gegenübers nicht unreflektiert weitergeben“, das waren erste Ergebnisse aus den Diskussionsrunden.

„Und wie ist das mit den Medien? Müssen die Medien nicht vielleicht auch lernen, anders zu berichten? Das Trennende klein und das Verbindende groß darzustellen?“ Darüber hinaus sei eine ausgewogene Berichterstattung über alte und neue Bundesländer auf Augenhöhe ein wichtiges Element für ein gutes Miteinander, lautete ein Resümee.

Umgang mit Herausforderungen 

Die Fluchtbewegungen von 1945, 1989, 2015 und mögliche bevorstehende sahen die Teilnehmenden als Herausforderung und weniger als ost- oder westspezifische Probleme. Bei allen Fluchtbewegungen erkannten sie die gleichen Phänomene: Zuerst ein herzliches Willkommen, dann kommen Angst und Neid auf. Doch profitiere die Gesellschaft in jeder Phase; die Wirtschaft floriert, Handwerker bekommen neue Anstellungen, Häuser werden gebaut.

Als weitere große Herausforderung sahen die Gruppen die Bekämpfung des Rechtsradikalismus, der für viele eine große Gefahr für das friedvolle Zusammenleben in Deutschland ist.

Die Dialogveranstaltung in Flensburg in Bildern

Eine Teilnehmerin aus Neubrandenburg lässt während der Registrierung in Flensburg ihren QR-Code scannen. Im Vordergrund steht eine Schale mit Magneten mit dem Logo von
Eine Teilnehmerin aus Neubrandenburg lässt während der Registrierung in Flensburg ihren QR-Code scannen.
Eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer von
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Neubrandenburg und Flensburg begrüßen sich herzlich am Veranstaltungsort.
Von oben blickt man auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Deutschland im Gespräch“, die im Veranstaltungsort Duborg-Skolen in Flensburg in den Workshop-Gruppen beieinander sitzen und sich austauschen.
„Deutschland im Gespräch“ findet in Flensburg in der dänischen Duborg-Skolen statt.
Die Zettel mit den Themenvorschlägen der Teilnehmenden für die Workshops sind mit Magneten an der Wand aufgehängt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen vor der Wand und fügen Stichworte hinzu. Es sind Themen wie
Für die offenen Themenrunden schlagen die Dialogteilnehmenden „Inklusion“, „Zukunft der Bildung“ oder „Klimaschutz“ vor.
Drei Teilnehmende sitzen im Gespräch beieinander. Ein Herr hält ein Klemmbrett in der Hand und spricht, während ein Teilnehmer und eine Teilnehmerin ihm zuhören.
In den verschiedenen Gesprächsrunden kommen die Neubrandenburger und Flensburger miteinander ins Gespräch.
Eine Teilnehmerin aus Flensburg steht mit dem Mikrofon in der Hand am Flipchart und spricht zu den Teilnehmenden. Sie ist gerade dabei, das Blatt auf dem Flipchart zu wenden. Auf ihm ist die Überschrift
Aus jeder Diskussionsgruppe stellt eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer die Ergebnisse vor, die sie am Flipchart gesammelt haben.
Zwei Teilnehmerinnen von „Deutschland im Gespräch“ sitzen in einer der Workshop-Runden beieinander und hören aufmerksam einem Teilnehmer zu. Sie haben Klemmbretter in der Hand, im Hintergrund sieht man das Logo von
Zwei Teilnehmerinnen sitzen in einer der Workshop-Runden beieinander und hören aufmerksam einem Teilnehmer zu.
Zwei Teilnehmerinnen aus Neubrandenburg diskutieren während der Workshop-Runden miteinander.
Zwei Teilnehmerinnen aus Neubrandenburg diskutieren während der Workshop-Runden miteinander.
Eine Teilnehmerin aus Flensburg fängt während der großen Austauschrunde die Catch Box, ein Mikrofon, das man sich unbeschadet gegenseitig zuwerfen kann.
Für die Abschlussstatements in der Austauschrunde werfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Mikrofon zu.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Deutschland im Gespräch: Wie wollen wir miteinander leben?“ aus Flensburg und Neubrandenburg stehen zum gemeinsamen Foto im Foyer der Flensburger Duborg-Skolen.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Deutschland im Gespräch: Wie wollen wir miteinander leben?“ aus Flensburg und Neubrandenburg stehen zum gemeinsamen Foto im Foyer der Flensburger Duborg-Skolen.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlassen die Duborg-Skolen auf dem Weg zum Nachmittagsprogramm im Flensburger Schiffahrtsmuseum.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlassen die Duborg-Skolen auf dem Weg zum Nachmittagsprogramm im Flensburger Schiffahrtsmuseum.
Im Flensburger Schiffahrtsmuseum betrachten Teilnehmende die „Hanna Suhr“, das größte Schiffsmodell der Sammlung.
Im Flensburger Schiffahrtsmuseum betrachten Teilnehmende die „Hanna Suhr“, das größte Schiffsmodell der Sammlung.
Henning Brüggemann, Bürgermeister von Flensburg, hält ein Mikrofon in der Hand und spricht vor dem Logo von „Deutschland im Gespräch“ zu den Teilnehmenden.
Henning Brüggemann, der Bürgermeister von Flensburg, spricht auf der Abendveranstaltung von „Deutschland im Gespräch“.
Während des Abendprogramms stehen die Mitglieder des Improvisationstheaters auf der Bühne vor dem Logo von „Deutschland im Gespräch“, die Teilnehmenden sitzen im Publikum.
Ein Programmpunkt am Abend ist die Aufführung eines Improvisationstheaters.
Die Schülerreporterinnen und Schülerreporter sprechen auf der Bühne mit Moderatorin Sabine Säck-Da Silva und Moderator Wolfgang Porsche.
Die Schülerreporterinnen und Schülerreporter sprechen auf der Bühne mit Moderatorin Sabine Säck-Da Silva und Moderator Wolfgang Porsche.
Ein Mann und zwei Frauen sitzen im Publikum, lachen und applaudieren.
Ein Mann und zwei Frauen sitzen im Publikum, lachen und applaudieren.

Fazit: „Es war toll. Macht weiter!“

In der Abschlussrunde geben sich zwei Männer die Hand, während die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer applaudieren.

Alle Teilnehmenden waren sich am Schluss der Veranstaltung einig: Diese Gespräche waren schon lange überfällig und sollten regelmäßig fortgesetzt werden. „Ich bin sehr glücklich, dass der Dialog aufgenommen wurde. Das ist in der heutigen Zeit wichtig, vor allem denjenigen gegenüber, die versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten“, so Hannes Fuhrig, Stadtpräsident von Flensburg. Und sein Amtskollege aus Neubrandenburg, Dieter Stegemann, fügte hinzu, dass „die breite Vielfalt in der Diskussion gut ist. Das wünsche ich mir. Es wird nicht gehen, dass wir die Bürgerinnen und Bürger zukünftig nicht mitnehmen.“

Schülerreporterinnen und Schülerreporter aus Flensburg und Neubrandenburg begleiteten die Dialogveranstaltung und produzierten eine Reportage. Sie sprachen mit Teilnehmenden des Dialogs und Flensburgerinnen und Flensburgern über die Deutsche Einheit: Ist die Einheit ein fertiges Produkt – oder doch eher eine Dauerbaustelle? Und was hat die Einheit den Menschen bedeutet?

Die nächste Begegnungs- und Dialogveranstaltung fand vom 28. Februar bis 1. März 2020 in Rostock mit Gästen aus Bremen statt.

 

 

Fotos: Karsten Thielker