Deutschland im Gespräch – Online

2. September 2020, 19 Uhr

30 Jahre Deutsche Einheit: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

Mit dem 3. Oktober 1990 sind die DDR und die Bundesrepublik Deutschland offiziell vereint. Der Deutschen Einheit vorausgegangen war ein Jahr des Umbruchs: Die Friedliche Revolution im Herbst 1989, die Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 oder die Einführung der repräsentativen Demokratie und Durchführung freier Wahlen im März 1990 in der DDR. Das Ergebnis der Wahl war richtungsweisend: 48 Prozent wählten mit der „Allianz für Deutschland“ einen schnellen Weg zur Einheit, unter ihnen viele Arbeiterinnen und Arbeiter. 30 Jahre nach der Deutschen Einheit möchte die Kommission zum Erfahrungs- und Ideenaustausch anregen: Wo stehen wir heute und welche Visionen gibt es für das zukünftige Zusammenwachsen?

Insbesondere das Leben der Menschen in Ostdeutschland änderte sich bereits mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 nachhaltig. Aus ihr folgten zum Beispiel eine gemeinsame Währung, die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, eine große Anzahl rechtlicher Veränderungen oder die Übernahme der bundesdeutschen Sozialversicherung. Die folgende politische, soziale und ökonomische Transformation war ein umgreifender Prozess – und ist auch 30 Jahre später noch nicht abgeschlossen. Auch Emotionen von Euphorie bis Erschöpfung oder Gewinn- und Verlusterzählungen prägen heute die Erinnerung an die Umbruchszeit. Die Transformationsleistungen der Bürgerinnen und Bürger der DDR waren groß – finden sie in Deutschland heute ausreichend Anerkennung?

Die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands seit 1990 ist beachtlich: Die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands ist von 43 Prozent im Jahr 1990 auf 75 Prozent des westdeutschen Niveaus im Jahr 2018 gestiegen – und damit zum Beispiel auch Löhne und Gehälter. Auch die Differenz in der Arbeitslosenquote ist in den letzten Jahren immer kleiner geworden, die Lebenszufriedenheit in Ostdeutschland wächst. Strukturschwache Regionen lassen sich heute nicht allein an der ehemaligen innerdeutschen Grenze ablesen. Trotzdem profitieren periphere, ländliche Räume – und das insbesondere im Osten Deutschlands – nicht von aktuellen wirtschaftlichen Aktivitäten. Diese Schlussfolgerung zog bereits die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ im Juli 2019. Seit 2020 bildet ein neues gesamtdeutsches Fördersystem die Grundlage für die Förderung aller strukturschwachen Regionen in Deutschland.

In den letzten dreißig Jahren ist eine ganze Generation im vereinten Deutschland aufgewachsen. Gegenwärtige Entwicklungen wie die Digitalisierung, der ökologische Umbau oder Migrationsbewegungen bringen neue gesellschaftliche Veränderungen mit sich, genauso wie die aktuellen Maßnahmen im Zuge des Infektionsschutzes. Demographische Entwicklungen haben die verschiedenen Regionen Deutschlands ebenfalls geprägt. Heute ziehen zum Beispiel mehr Menschen in das direkte Umland großer Städte als in diese Städte – davon profitieren besonders die Länder Brandenburg und Schleswig-Holstein. Welche Entwicklungen hat Ihre Region in den letzten 30 Jahren geprägt und wie gehen Sie mit aktuellen Herausforderungen um?

Seitens der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ nahmen Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk und Dr. Maria Nooke am Dialog teil.

Veranstaltungstermin: 2. September 2020
Anmeldefrist war der 28. August 2020.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Interview: Marco Wanderwitz, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder und stellvertretender Vorsitzender der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ über das Gefühl von Euphorie zur Deutschen Einheit, den Wert der Demokratie und gleichwertige Lebensverhältnisse. (Bundesregierung)

Online-Publikation: Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2019 [PDF] (Bundesregierung)

Webseite: Der „Deutschlandatlas“. Grafiken und Karten mit aktuellen Daten zu Demographie, Gesellschaft oder Wirtschaft in Deutschland. (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat)

Artikel: Grafiken und Erklärungen zur Entwicklung, zum Alterungsprozess, zur Ost-West-Wanderung und zum demographischen Wandel in den ostdeutschen Ländern (Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer).

Magazin: Aus Politik und Zeitgeschichte, Ausgabe „Deutsche Einheit“ [PDF und Online-Publikation] (Bundeszentrale für politische Bildung)