Deutschland im Gespräch – Online

24. August 2020, 19 Uhr

Die Einheit als zivile Aufgabe: Welchen Beitrag kann das Ehrenamt leisten?

31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in ihrer Freizeit: im Sport- und Musikverein, im Bevölkerungsschutz, in der Seniorenbetreuung oder in Bildungseinrichtungen. Die Tendenz ist steigend. Für die Demokratie ist das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, ihr Interesse und ihre Kritik eine wichtige Ressource. Die Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ möchte vor diesem Hintergrund diskutieren, wie das Ehrenamt auch zur Einheit Deutschlands beitragen kann.

Heute engagieren sich 45 Prozent der Bevölkerung regelmäßig oder gelegentlich, 22 Prozent der Engagierten haben eine feste Aufgabe oder ein Amt inne. Menschen zwischen 14 und 50 Jahren engagieren sich am häufigsten. Das wichtigste Motiv: Der Spaß an der Tätigkeit. Auch die Gesellschaft mitzugestalten oder den Kontakt mit anderen Generationen zu pflegen sind häufige Gründe. Gibt es bestimmte gesellschaftliche Gruppen, die sich engagieren? Wie gelingt die Ansprache aller Bürgerinnen und Bürger? Welche Rahmenbedingungen braucht es?

In der Regel ist das Ehrenamt in ländlichen Regionen traditionell stärker ausgeprägt als in städtischen. Rund 80 Prozent des Engagements finden in der Kommune oder im lokalen Raum statt. Herausforderungen dort sind zum Beispiel eine schwierige finanzielle Lage oder parallele Förderstrukturen, die nicht immer aufeinander abgestimmt sind. Ostdeutschland weist insgesamt eine etwas geringere Engagementquote auf. Durch den Abbau staatsnaher Einrichtungen und Massenorganisationen (wie z.B. der Freien Deutschen Jugend – FDJ) ab 1990, die zuvor das Ehrenamt getragen hatten, und bei gleichzeitiger Notwendigkeit, die Vereinslandschaft neu zu begründen, sanken die eigentlich hohen Zahlen in den 1990er-Jahren. Auch wenn es zu einem regen Austausch mit westdeutschen Vereinen kam und das Engagement seit Ende der 90er-Jahre wieder steigt, wird deutlich, dass es für ein hohes Engagement zivilgesellschaftliche Akteure vor Ort braucht. Wie können Strukturen gerade in Ostdeutschland — ob in der Stadt oder auf dem Land — unterstützt und ausgebaut werden? Welche positiven Modelle gibt es? Und welche positiven Erfahrungen lassen sich ins Heute übertragen?

Auch wenn Engagement am häufigsten (64,2 Prozent) in klassischen Organisationen oder Vereinen stattfindet, sind auch digitale Angebote gerade für junge Freiwillige eine Ergänzung oder sogar ein Ersatz bei fehlenden Angeboten vor Ort. Der digitale Wandel hält für Vereine und Organisationen viele Möglichkeiten bereit: Schnelle Kommunikation unter den Engagierten, Erreichbarkeit neuer Zielgruppen oder digitale Vernetzung mit anderen Projekten und Aktiven weltweit. Die Anfang 2020 errichtete Deutsche Stiftung Engagement und Ehrenamt hat deshalb die Aufgabe, Organisationen bei der Digitalisierung zu unterstützen, sodass alle Menschen Zugang zu Beratungs- und Vernetzungsstrukturen bekommen. Gleichzeitig bedeutet die Digitalisierung eine immense Umstellung. Wie nutzen Sie bereits digitale Angebote in Ihrem Engagement?

Seitens der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ nahmen Christine Lieberknecht und Antje Draheim i.V. von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Dialog teil.

Veranstaltungstermin: 24. August 2020
Anmeldefrist war der 21. August 2020.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Artikel: Die Bedeutung von Ehrenamt und Bürgerschaftlichem Engagement. Informationen und Zahlen zu bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat)

Artikel: Bürgerschaftliches Engagement in Ost- und Westdeutschland (Bundeszentrale für politische Bildung)

Online-Publikation: Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys [PDF] (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Webseite: Anlaufstelle zur Förderung ehrenamtlichen Engagements mit Fokus auf strukturschwache und ländliche Regionen (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt)

Magazin: Aus Politik und Zeitgeschichte, Ausgabe „Bürgerschaftliches Engagement“ [PDF und Online-Publikation] (Bundeszentrale für politische Bildung).