Deutschland im Gespräch – Online

26. August 2020, 19 Uhr

„Typisch Ossi, typisch Wessi“ – welche Rolle spielen alte Klischees und Mentalitäten nach 30 Jahren Deutscher Einheit?

Gegenseitiges Interesse, Zusammenwachsen und Vorurteile abbauen – das ist die Grundidee der Begegnungs- und Dialogveranstaltungen zwischen deutsch-deutschen Partnerstädten, die die Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ im Jubiläumsjahr veranstaltet hat und nun online weiterführt. Ziel ist eine gemeinsame Reflexion des Einheitsprozesses mit seinen Erfolgen und bestehenden Herausforderungen in Hinblick auf die Zukunft: Welche Schlüsse ziehen wir aus den vergangenen 30 Jahren? Wie blicken wir auf die heutige Gesellschaft und das Miteinander?

Das Aufwachsen und der Alltag in verschiedenen Gesellschaftssystemen hat Einstellungen und Werte, das Familien- Schul- oder Arbeitsleben geprägt. Ost- und Westdeutsche nehmen gegenseitige Unterschiede wahr, die auch zu klischeehaften Zuschreibungen führen. Über die Frage, ob es eine ost- oder westdeutsche Identität gibt, wird heute wieder viel diskutiert. Gab es bis 1989 zum Beispiel eine DDR-spezifische Identität, auf der dann eine ostdeutsche Identität aufbaute? Welche Rolle nehmen die Transformationszeit ab 1989/1990 und teilweise geteilte Erfahrungen von Benachteiligung oder vermisster Wertschätzung dabei ein?

Gleichzeitig ist Identität eine persönliche Angelegenheit und hängt auch davon ab, ob die Gemeinschaft die Zugehörigkeit des Einzelnen anerkennt. 30 Jahre nach der Deutschen Einheit haben viele Menschen ihren Wohnort gewechselt, ihr ganzes Arbeitsleben im vereinten Deutschland verbracht oder sind im vereinten Deutschland geboren. Wie beeinflussen diese gemeinsamen Erfahrungen der letzten 30 Jahre die eigene Wahrnehmung? Welche Rolle spielen inzwischen andere Kategorien, gerade für die Nachwendegeneration? So ist zum Beispiel die Identifikation mit einer Region oder einem Bundesland teilweise deutlich höher als mit den Kategorien ost- oder westdeutsch – ohne dass sich beides ausschließt. Dies haben auch die Teilnehmenden der bisher durchgeführten Dialogveranstaltungen in ihren Gesprächen formuliert.

30 Jahre nach der Einheit stellt sich darüber hinaus die Frage, welchen Raum die Identitäten und Transformationserfahrungen in der heutigen Erinnerungskultur einnehmen und welche sie in Zukunft ausfüllen sollen.  Der Austausch über diese Fragen ist der Kommission wichtig: Wie kann das Wissen um andere Biographien und Lebenserfahrungen weiterwachsen? Welche positiven Modelle für den Austausch, zum Beispiel auf regionaler oder kommunaler Ebene, lassen sich ausbauen?

Seitens der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ nahmen Annette Simon, Dr. Maria Nooke und Dr. Judith Enders am Dialog teil.

Veranstaltungstermin: 26. August 2020
Anmeldefrist war der 21. August 2020.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Artikel: Ostdeutsche Identitäten. Selbst- und Fremdbilder zwischen Transformationserfahrung und DDR-Vergangenheit (Deutschlandarchiv)

Filme: Leipzig-Filme von Andreas Voigt. Langzeitdokumentation, aufgenommen zwischen 1989 und 2015, über den ost- und später gesamtdeutschen Transformationsprozess anhand verschiedener Biografien. (Bundeszentrale für politische Bildung)

Artikel: Geschichte der Erinnerungskultur in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland (Bundeszentrale für politische Bildung)

Artikel: Ost-West-Wahrnehmungen nach unterschiedlicher Sozialisation in den ersten Jahren der Deutschen Einheit (Lebendiges Museum Online)