Meilensteine

Gründungsaufruf für das Neue Forum

09.09.2019 | Berlin

Podiumsdiskussion in Berlin: Die Zeit war reif

„Die Zeit ist reif“ – mit diesen Worten endete der am 9. September 1989 veröffentlichte Gründungsaufruf des Neuen Forums. Das Neue Forum war Teil der Oppositionsbewegung in der DDR, welche zu Zeiten der friedlichen Revolution in der DDR aus vielen verschiedenen Gruppierungen, darunter auch „Demokratie Jetzt“, „Demokratischer Aufbruch“ oder der Initiative „Frieden und Menschenrechte“ bestand. Sie alle wirkten gemeinsam maßgeblich an der Gestaltung der Friedlichen Revolution mit.

Treffen an historischem Ort

Zwei Schüler interviewen einen Gast. Ein Mikrofon über ihren Köpfen zeichnet das Gespräch auf. Im Hintergrund ist auf der Wand der Satz "Die Zeit war reif" zu lesen.

Am 9. September 2019, genau 30 Jahre später, kamen in der Schlossanlage Schönhausen im Berliner Bezirk Pankow einige der Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler der unterschiedlichen Gruppierungen von damals wieder zusammen. An diesem Ort versammelten sie sich ab Herbst 1989, um am sogenannten zentralen runden Tisch unter anderem eine neue demokratische Verfassung oder auch die Auflösung der Stasi-Behörde auf den Weg zu bringen.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Jubiläumsprogrammes „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ blickten die Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Körber-Stiftung auf den Herbst 1989 zurück: Was war anders, in diesem September vor 30 Jahren? Was löste – überall in der DDR – diese Aufbruchsstimmung und den damit verbundenen Mut zum Aufbegehren in Form von friedlichem Protest aus?

 

Die Podiumsdiskussion in Bildern

Die Teilnehmenden beim Gruppenfoto vor einem Plakat mit der Aufschrift
Um der Oppositionsbewegungen in der DDR zu gedenken, blickten am 9. September 2019 Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler zusammen auf die Ereignisse im Herbst 1989 zurück – 30 Jahre nach dem Gründungsaufruf des Neuen Forums.
Matthias Platzeck spricht am Podium zu den Teilnehmenden.
Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D. und Vorsitzender der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, eröffnete die Veranstaltung.
Christian Hirte spricht am Podium zu den Teilnehmenden.
Der damalige Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Christian Hirte, sprach einleitende Worte.
György Dalos spricht am Podium zu den Teilnehmenden.
Der ungarische Schriftsteller György Dalos, der unter anderem der Redaktion der ostdeutschen Untergrundzeitschrift „Ostkreuz“ angehörte, hielt eine Rede.
Stephan Krawczyk spielt Gitarre und singt zu den Teilnehmenden.
Der Künstler und Liedermacher Stephan Krawczyk begleitete die Veranstaltung musikalisch.
Stephan Krawczyk musiziert auf der Bühne.
Stephan Krawczyk sang u. a. seine Lieder „Mein Freund, der Feind“ (1990) und „Wieder stehen“ (1987).
Unter dem Plakat mit der Aufschrift
Über den Gründungsmut und die politischen Rahmenbedingungen im Herbst 1989 sprachen u. a. Rainer Eppelmann (Demokratischer Aufbruch), Martin Klähn (Neues Forum) und Almuth Berger (Demokratie Jetzt) in einer Gesprächsrunde.
Markus Meckel spricht während der Gesprächsrunde zu den Teilnehmenden.
Neben Markus Meckel (Sozialdemokratische Partei in der DDR, im Bild) und Gesine Oltmanns (oppositionelle Menschenrechtsgruppen in Leipzig) saßen auch Preisträgerinnen und Preisträger der Körber-Stiftung mit in der Gesprächsrunde.
Das Kamerateam beim Interview der Schülerinnen und Schüler.
Mit einem Interviewtraining bereiteten sie sich auf die Veranstaltung vor.
Schülerinnen interviewen Marianne Birthler vor laufender Kamera.
Nach den Gesprächsrunden sprachen die Schülerreporterinnen mit den geladenen Gästen, hier mit Marianne Birthler von der Initiative Frieden und Menschenrechte.
Schülerinnen und Schüler interviewen Lukas Beckmann.
Auch mit Lukas Beckmann (Westunterstützer der DDR-Opposition, im Bild) oder Günter Nooke (Demokratischer Aufbruch) führten die jungen Reporterinnen und Reporter Interviews.

„Viel Mut und Zivilcourage waren nötig“

Ein Schüler und zwei Schülerinnen machen eine Interviewübung. Im Vordergrund sieht man das Kamerateam, das das Interview mit Kamera und Mikrofon aufzeichnet.

Ein Schülerreporter berichtet von seinen Eindrücken aus den Diskussionen mit den Zeitzeugen am 9. September 2019: „Die Begegnung mit Zeitzeugen der friedlichen Revolution in Berlin war für mich ein einmaliges und bewegendes Ereignis. Ich stellte im persönlichen Gespräch fest, wie viel Mut und Zivilcourage nötig waren, sich gegen ein diktatorisches Regime wie die DDR zu wenden, in dem der Nachbar, Berufskollege oder ein Freund einen bespitzeln konnte. Die Stasi war allgegenwärtig. Es sollte im Bewusstsein der Gesellschaft verankert sein, wie viele Bürgerrechtler ihre persönliche Existenz und die ihrer Familie aufs Spiel gesetzt haben. Wie viele Menschen sich den Montagsdemonstrationen angeschlossen haben und damit rechnen mussten, mit unmenschlichen Haftbedingungen und Folter dafür bestraft zu werden. Auf dem langen Weg von der DDR bis zum Mauerfall waren unzählige persönliche Schicksale zu beklagen, in denen Menschen gestorben, Leben ruiniert und Familien auseinandergerissen wurden.

Letztlich siegte dank aller mutigen Menschen die Demokratie über die Diktatur. Darauf können alle Beteiligten der friedlichen Revolution stolz sein. Unsere Generation schuldet ihnen dafür Respekt und Dankbarkeit für ein wiedervereinigtes Deutschland.“

Jan-Philipp Rohloff (Körber-Stiftung),
Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten

Fotos: Arian Rassoul
Video: Tim Waber