Deutschland im Gespräch – Online

25. August 2020, 19 Uhr

Tag der Deutschen Einheit: Unser Feiertag oder nur ein freier Tag?

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist der offizielle Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland. An diesem Tag trat im Jahr 1990 der Einigungsvertrag in Kraft, wurde die DDR formal als Staat aufgelöst und ist der Bundesrepublik beigetreten. Die staatliche Einheit Deutschlands war damit hergestellt. Der Tag war von großen Feierlichkeiten begleitet und im Einigungsvertrag selbst bereits als neuer gesetzlicher Feiertag festgelegt. Der 3. Oktober war zwar nicht emotional prägend wie der Mauerfall am 9. November 1989, aber er stellt die friedliche Vollendung der staatlichen Einheit im Einvernehmen mit allen unseren Nachbarn dar. Das war Jahrhunderte nicht gelungen.

Die zentralen Feierlichkeiten zum 3. Oktober finden nicht jedes Jahr in der Hauptstadt Berlin statt, sondern in dem Bundesland, das aktuell den Vorsitz im Bundesrat innehat – im Jahr 2020 Brandenburg. Ein im internationalen Vergleich eher einzigartiges Vorgehen – so „rotiert“ das Fest durch das Land und spiegelt damit den föderalen Staatsaufbau wieder. Dennoch scheint es, dass sich der 3. Oktober nicht als allgemeiner Tag des Feierns und Erinnerns durchgesetzt hat. Festveranstaltungen abseits der offiziellen Feierlichkeiten sind selten. Auch bekannte Feiertagstraditionen, die ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger pflegt, wie zum Beispiel in den USA oder in Frankreich, haben sich nicht entwickelt.

So ist die Kritik am Tag der Deutschen Einheit und am Datum des 3. Oktober so alt wie der Feiertag selbst. Einer der häufigsten Kritikpunkte: Zu wenig Emotionen seien mit ihm verbunden. Richtig ist, dass die meisten Menschen eher an die Bilder des Mauerfalls am 9. November 1989 denken, als an den staatlichen Akt des in Kraft getretenen Einigungsvertrags, wenn es um die Deutsche Einheit geht. Muss über den Tag der Deutschen Einheit also ganz neu nachgedacht werden? Oder gibt es eine Möglichkeit, dieses symbolträchtige Datum „greifbarer“ zu machen?

Der Nationalfeiertag ist wie Flagge, Hymne oder Denkmäler ein nationales Symbol. Der Regierungskommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ ist die Diskussion darüber wichtig, wie der 3. Oktober als Nationalfeiertag zu einer verbindenden Erinnerungskultur beitragen kann. Wie also wollen wir den Tag der Deutschen Einheit zukünftig feiern? Was könnte ein verbindendes Element, eine Form des Erinnerns und Feierns sein, das mehr Bürgerinnen und Bürger dazu bewegt, den Tag aktiv als Feiertag wahrzunehmen? Welche Symbolkraft für Einheit und Demokratie können Schwarz-Rot-Gold – immerhin Nationalfarben, die von beiden deutschen Teilstaaten genutzt wurden – entwickeln?

Seitens der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ nahm Dr. Thomas de Maizière am Dialog teil.

Veranstaltungstermin: 25. August 2020
Anmeldefrist war der 21. August 2020.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Artikel: Feiern und Gedenken: Zur Entwicklung einer gemeinsamen Erinnerungskultur seit dem 3. Oktober 1990 (Bundeszentrale für politische Bildung)

Online-Dossier: Tag der Deutschen Einheit – 3. Oktober 2020 (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)

Webseite: Informationen zum Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals zur Würdigung von Mut und Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger der DDR (Deutsche Gesellschaft e.V.)

Artikel: Informationen zu Staatssymbolen in Deutschland (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat)